Oder: Warum wir uns entschlossen haben, einen Blog zu starten
Es ist Sonntagnachmittag – ein Tag, an dem ich eigentlich nicht arbeiten will – und ich schreibe einen Blogbeitrag, den ich eigentlich bereits am vergangenen Freitag veröffentlichen wollte. Diese Situation ist mir recht geläufig, da sie den gesamten bisherigen Verlauf meiner Promotion (leider) recht gut wiederspiegelt: Stets gibt es andere Dinge zu erledigen als an meiner Dissertation zu arbeiten; auch jetzt gerade schreibe ich diesen Blogbeitrag, um nicht an meiner Diss weiterarbeiten zu müssen.
Bevor jetzt jemand allerdings denkt, dies sei der einzige Grund, weshalb wir uns überhaupt entschieden haben, einen Blog zu schreiben, sollte ich – vor allem um meine Mit-Tüftlerinnen nicht in Misskredit zu bringen- die sonstigen Gründen für die Existenz dieses Blogs darlegen. Um diesen zu kontextualisieren, zunächst ein paar Fakten über uns, unser Promotionskolleg und schließlich den Entschluss einen Blog zu beginnen:
Fakten über uns:
- Wir sind (momentan noch) drei Sprach-/Kulturwissenschaftlerinnen (Sarah, Alex und Hannah), zum Teil mit didaktischen Hintergrund, die Ende 2023/Anfang 2024 mit ihrer Promotion begonnen haben.
- Wir sind alle so Mitte 20 und teilen uns ein Büro an der Ruhr-Universität Bochum, in das wir viele coole Postkarten gehängt haben.
- Wir promovieren in einem Promotionskolleg zum Thema Mitbestimmung durch SprachGewalten, haben aber immer noch nicht so richtig eine einheitliche Definition für die Begriffe „Mitbestimmung“ und „SprachGewalten“ gefunden.
- Unsere Promotionen laufen mehr oder weniger fantastisch.
- Bis ich den vorherigen Punkt aufgeschrieben habe, hat glaube ich noch keine von uns den Begriff „fantastisch“ verwendet, um den Arbeitsprozess zu beschreiben, daher sollte man den Begriff „fantastisch“ hier möglicherweise als „okay“ interpretieren.
- Wir wollten gerne einen gemeinsamen Blog schreiben, um einen realistischen Promotionsprozess zu dokumentieren, für alle die vielleicht auch gerade promovieren, sich an ihre Promotion erinnern wollen oder vielleicht selbst überlegen, zu promovieren. Für Letztere: Lasst euch nicht abschrecken, sollte dieser Blog zynischer werden, als ursprünglich geplant – manche von uns haben vielleicht einen Hang zum Pessimismus, den man nicht zu ernst nehmen sollte.
- Jeden Freitag wird planmäßig ein neuer Beitrag auf dieser Seite veröffentlicht – außer dieser erste Beitrag, weil ich, wie schon angedeutet, einen Hang zur Prokrastination habe.
Diese Faktenliste wird sicherlich auch noch auf einer „Über uns“-Seite auf diesem Blog auftauchen und laufend überarbeitet werden, sobald diese Seite existiert. Aber zurück zum Thema, über das ich eigentlich schreiben wollte:
Wie läuft es gerade mit der Dissertation?
Auf der oben beschriebenen Skala: So fünf fantastisch. In meinem Promotionsprojekt geht es (mittlerweile, nachdem ich mein Thema in den ersten fünf Monaten seit November ständig überarbeitet habe) um die diagnostische Messung von Argumentationskompetenzen in sozialen Netzwerken. Dazu erstelle ich seit einigen Wochen ein Modell, in dem die verschiedenen Kompetenzdimensionen theoretisch verankert werden können. Auf dieser Grundlage plane ich im Anschluss ein Testinstrument zu entwickeln, mit dem die darin beschriebenen Kompetenzen geprüft werden können. Wie aufmerksame Leser*innen sicherlich an dem inflationären Gebrauch des Begriffs „Kompetenz“ gemerkt haben werden, handelt es sich bei meinem Projekt um ein didaktisches (konkreter, deutschdidaktisches) Promotionsvorhaben mit Überschneidungen zur Medienlinguistik in die eine und zur pädagogischen Psychologie in die andere Richtung.
Was mich daran momentan begeistert – ja, ich bin begeisterungsfähig in Bezug auf meine Diss, auch wenn ich dann immer von mir selbst überrascht bin- ist die Erstellung des Modells. Auch wenn man sich sicherlich über den Kompetenzbegriff sowie die Kompetenzorientierung der Kernlehrpläne streiten kann (sicherlich mal ein Thema hier im Blog), bin ich ein großer Fan von Modellierungen, Kategorisierungen und Strukturen. Die Erstellung eines Schaubilds, in dem sämtliche Aspekte übersichtlich (= sträflich vereinfacht) dargestellt werden können, löst in mir ähnliche Empfindungen wie das Zusammenbauen eines Ikea-Schranks aus -> am Ende bleiben zwar meistens irgendwelche mysteriösen Schrauben übrig, aber man hat trotzdem eine funktionale Struktur, die man irgendwie mit Kochtöpfen oder inhaltlichen Aspekten füllen kann.
Trotz dieser Begeisterung, fällt es mir schwer, kontinuierlich an meiner Dissertation zu arbeiten. Obgleich wir in unserem Promotionskolleg ein Stipendium bekommen und so rein theoretisch neben unserer Forschung keine Verpflichtungen in Lehre etc. haben, kommt doch irgendwie immer etwas dazwischen: Kolloquien wollen geplant, besucht und nachbereitet werden, dann ist noch Forschungswerkstatt und ja, diesen Vortrag in zwei Wochen sollte man wirklich mal vorbereiten. Und eigentlich wäre so ein bisschen Lehre doch ganz cool. Dazwischen muss man sich natürlich auch noch ab und an mal mit den Kolleg*innen zum Arbeiten und wichtiger noch zum Kaffeetrinken treffen und dann war man wieder den ganzen Tag in der Uni und hat irgendwie doch gar nichts an der Diss gemacht. So geht es mir zumindest, aber ich bin auch wirklich gut darin, mich abzulenken. Daher habe ich mir vor zwei Wochen die Resolution gesetzt, jeden Tag eine Stunde an der Diss zu arbeiten. Eine Woche hat das ziemlich gut geklappt, dann hatte ich wieder gute Gründe das nicht zu tun. Naja. Ich verspreche hiermit, dieses Konzept noch zwei weitere Wochen auszutesten. Ich berichte dann beim nächsten Mal, wie das so gelaufen ist. Und potentiell von dem Vortrag, den Alex und ich in zwei Wochen halten und den ich jetzt dringend mal weiter vorbereiten sollte.
Bis dahin wünsche ich euch allen eine produktive Zeit und prokrastiniert mal nicht so viel – außer ihr verbringt die Zeit damit, wehleidige Blogbeiträge zu lesen, das möchte ich gerne aus eigennützigen Gründen bestärken.
Liebe Grüße
Hannah